„Wir wollen bäuerliche Arbeit erhalten“

Südwestpresse 2.3.2018
Interview mit Frieder Thomas, Geschäftsführer AbL Baden-Württemberg


„Wir wollen bäuerliche Arbeit erhalten“


Durch seine Politik bewirke der Bauernverband, dass seine eigene Mitgliederzahl schrumpft, sagt Frieder Thomas, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Baden-Württemberg. Die AbL bekämpfe dagegen das Höfesterben.


Welches Ziel verfolgt die AbL?

Frieder Thomas: Wir setzen uns für den Erhalt kleinerer und mittlerer landwirtschaftlicher Betriebe ein und kämpfen gegen das Höfesterben. Wir wollen bäuerliche Arbeit erhalten. Wie in anderen Branchen haben wir in der Landwirtschaft die Situation, dass Betriebe permanent wachsen müssen. Diesen Druck wollen wir nehmen, da er zu Produktionsweisen führt, die man in der Gesellschaft nicht mehr akzeptiert.


Welche Art von Landwirtschaft lehnen Sie ab?
Der Gegenpol zur bäuerlichen Landwirtschaft ist die industrialisierte. In der Regel geht das weitere Wachstum der großen Betriebe auf Kosten der kleinen. Der Große ist aber nicht per se unser Gegner. Es gibt auch große Betriebe, die vielfältig wirtschaften, dann aber wesentlich mehr Mitarbeiter haben als ein rationalisierter Betrieb.

Wie gewinnen Sie Einfluss?
Wir beteiligen uns aktiv an der fachlichen agrarpolitischen Diskussion. Außerdem machen wir Aktionen und veranstalten Demonstrationen. Im AbL-Verlag erscheint zudem jährlich der „Kritische Agrarbericht“, ein Sachstandbericht über aktuelle kritische Diskussionen zum Thema „Landwirtschaft“.
Warum sind die Mitgliederzahlen eher niedrig?
Im Bauernverband sind Landwirte, weil er viele Dienstleistungen anbietet, er macht ihnen zum Beispiel die Buchführung. Die AbL macht nur Politik. Mit unseren Positionen stehen wir häufig im Widerstand zum Bauernverband. Landwirte müssten dort aussteigen, um bei uns einzusteigen.


Wie stehen Sie zum Bauernverband?
Der Bauernverband vertritt agrarpolitische Positionen, die gegen die Mehrheit seiner Mitglieder gehen. Er ist einer der wenigen Verbände, die darauf hinarbeiten, dass die Zahl ihrer Mitglieder tendenziell weniger wird. Denn die Politik des Bauernverbands befördert das Höfesterben. Förderprogramme sehen meistens so aus, dass die größeren und wohlhabenderen Betriebe noch mehr verdienen.


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